Abweichende Blutwerte

Frage von Roland P.: Bei einer Blutuntersuchung wichen einige Werte von den angegebenen Grenzwerten ab (Grenzwerte in Klammer): Leucoyten 3,89 G/l (4,4-11,3), Neutrophile G. 40% (50-70), Lymphozyten 48% (20-40), GOT 40,6 (35). Meine Fragen lauten nun: Können diese abweichende Werte mit einem leichten grippalen Infekt zusammenhängen, den ich zwei Wochen vor der Blutabnahme hatte? Könnte es weiters mit einem Problem mit den Zähen zusammenhängen (habe laufend leichte Zahnschmerzen, eine Wurzelbehandlung wird demnächst gemacht)? Welche Möglichkeiten gibt es, die genaue Ursache der Abweichungen festzustellen? Gibt es einen Zusammenhang zwischen Übertraining und abweichenden Werten dieser Art?

ANTWORT:
Die Konstellation Ihres Blutbildes – leichte Verminderung der Gesamtzahl an weißen Blutkörperchen (= Leukopenie) sowie eine relative Vermehrung der Lymphozyten ( = Lymphozytose) – ist typisch für eine abklingende virale Infektionskrankheit,wie sie auch ein grippaler Infekt darstellt.Diese Blutbildveränderungen sind die Folge des „Abwehrkampfes“ Ihres Immunsystems gegen einen Infektionserreger und sollten 4-6 Wochen nach klinischer Ausheilung der Infektion bei einer Blutbildkontrolle nicht mehr nachweisbar sein.Bei sehr vielen Infektionskrankheiten kommt es auch zu einer vorübergehenden,meist harmlosen Mitbeteiligung der Leber,was den leicht erhöhten GOT-Wert ( = Glutamat-Oxalacetat-Transaminase) erklärt.Dieses Enzym kommt besonders in der Leber und Muskulatur vor und wird bei entzündlicher Zellschädigung vermehrt ins Blut freigesetzt.Sollten die genannten Blutbildveränderungen nach 6 Wochen immer noch bestehen bzw.leiden Sie unter sonstigen unerklärlichen Krankheitssymptomen,so ist eine weiterführende Diagnostik anzustreben,um andere, weniger häufige Ursachen wie spezifische Infektionen,Erkrankungen des blutbildenden Systems,chron.Vergiftungen und v.a. auszuschließen.Dazu sind neben bildgebenden Verfahren dann auch genauere serologische Blutuntersuchungen notwendig,wo gezielt nach Viren und sonstigen Krankheitserregern,gegen die möglicherweise eine ursächliche Therapie möglich ist, gesucht werden muß .Ihre Zahnprobleme sind sicher nicht als Ursache für die Blutbildveränderungen anzusehen.Beim Übertraining existieren typische Konstellationen von Laborwerten nicht,obwohl unter standardisierten Bedingungen und bei Vorliegen individueller Vergleichswerte Zustände der Überlastung durch veränderte Laborwerte wie Harnstoff und Kreatinkinase (CK) erkannt werden können.Veränderungen des roten oder weißen Blutbildes wie bei Ihnen werden durch Übertraining nicht ausgelöst.

Dr.Andreas Dallamassl