Blähbauch

Frage von Gabriele L.: Ich (w, 39, 169 cm, 63kg, wöchentliches Laufpensum von 50-60 km, laufe seit 7 Jahren) leide nach Wettläufen (ich laufe Distanzen von 5-21 km) sehr stark unter einem Blähbauch und Darmkrämpfen, die ca. 1 Stunde nach Beendigung des Laufes auftreten und bis zu 5 Stunden andauern. Je länger der Wettlauf, desto stärker anschließend die Krämpfe und Schmerzen. Bei den üblichen Trainingsläufen haben ich nie Probleme. An den Vortagen und am Tag des Wettlaufes verzichte ich auf schweres und ballaststoffreiches Essen, Gemüse und viele Sorten von Obst, Kaffee, kohlensäurehältige Getränke und Süßigkeiten. Während des Laufes trinke ich nur Wasser in kleinen Schlucken. Beim abschließenden Läuferbuffett greife ich dann zu Isogetränken (sollte ich das vielleicht nicht tun?) und trockenem Kuchen. Was können die möglichen Ursachen für meine Beschwerden sein bzw. was kann ich tun, damit sich mein Darm wohler fühlt?

ANTWORT: Die verschiedensten Ursachen werden für das Auftreten dieser belastungsinduzierten Durchfälle bzw. Darmkrämpfe diskutiert, wobei auch eine Kombination dieser Auslöser in Betracht zu ziehen ist. Eine wesentliche Ursache ist eine verminderte Durchblutung der Darmschleimhaut durch Umverteilung des Blutes in die Arbeitsmuskulatur. Durch diese lokalen Durchblutungsstörungen kommt es zu kleinen Defekten in der Darmschleimhaut mit Flüssigkeits- und eventuell sogar Blutverlusten über diese Schleimhautdefekte. Eine andere Ursache dürfte ein durch Belastung ausgelöstes Missverhältnis zwischen Flüssigkeitsaufnahme und Flüssigkeitssekretion sein, wodurch in der Relation weniger Flüssigkeit aufgenommen und mehr über den Darm ausgeschieden wird und dadurch eine weichere Stuhlkonsistenz entsteht. Auch finden sich nach intensiven Ausdauerbelastungen höhere Blutspiegel sogenannter gastrointestinaler Hormone und Peptide – Substanzen, welche im Magen- Darm- Trakt produziert werden und teils starke sekretorische Wirkungen im Darm entfalten und dadurch viel Flüssigkeit in den Darm absondern. Auch dürften die gerade für das Laufen typischen Vertikalbeschleunigungen Auslöser für erhöhte Darmperistaltik mit der dadurch verkürzten Darmpassagezeit sein und somit auch stuhlaufweichend wirken.

Gerade eine an sich empfehlenswerte ballaststoffreiche Ernährung kann in Verbindung mit körperlicher Aktivität die Magen-Darm Tätigkeit stark anregen. Eine Reduktion der Ballaststoffzufuhr sowie eine Vergrößerung der Zeitspanne zwischen Mahlzeiten und Wettkampfbeginn bringt  diesbezüglich häufig eine Besserung der Situation.1 ½ -2 Stunden vor Beginn des Wettkampfes sollte somit nichts mehr gegessen werden, um die ersten Verdauungsschritte im Magenbereich nicht zu behindern. Mehrere Untersuchungen zeigten in der Vergangenheit, dass durch starken Schweißverlust oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr schlecht hydrierte Läufer  viel häufiger an Magen-Darm Problemen leiden als ausreichend mit Flüssigkeit versorgte Läufer. Die Ursache dafür ist nicht ganz klar, doch  dürften auch hier hormonelle Ursachen und Umverteilungsvorgänge zu Lasten der Darmdurchblutung eine Rolle spielen. Hilfreich wäre es in diesem Fall bei intensiven und langen Läufen regelmäßig und mehr Flüssigkeit aufzunehmen, wobei die Menge natürlich von der Laufintensität und der Außentemperatur abhängig ist. Verdünnte Fruchtsäfte oder leicht hypotone Elektrolytgetränke ( 1:2 – 1:3 verdünnt ) eignen sich am besten, den beim Training entstehenden Flüssigkeitsbedarf auszugleichen; zu stark konzentrierte Elektrolytgetränke und kohlensäurehaltige Getränke regen die Darmtätigkeit eher an und sollten somit vermieden werden. Sehr viele Menschen reagieren auf gewisse Nahrungsbestandteile (Milchzucker, Milcheiweiß, Nüsse, Zitrusfrüchte, ……) empfindlich im Sinne einer Allergie oder einer pseudoallergischen Reaktion. Bei milden Verlaufsformen kann diese Empfindlichkeit dann eben erst bei intensiver körperlicher Belastung manifest werden und zu entsprechenden Symptomen führen. Hier gibt es auch die verschiedensten diagnostischen Möglichkeiten, welche den entsprechenden Nachweis bringen können. In diesem Fall muss dann natürlich durch Vermeiden dieser ursächlichen Agenzien eine Verbesserung der Situation versucht werden. Auch regelmäßige oder zu hohe Magnesiumzufuhr, welche bei Ausdauersportlern sehr beliebt ist, kann oft als Ursache für Darmkrämpfe beobachtet werden und muss gegebenenfalls hinterfragt werden.

Dr. Andreas Dallamassl