Frankfurt Marathon 2011 – von Benni Klingler

Da der erste Anlauf über die Marathondistanz, als Staffelläufer bei der Challenge Roth im Juli 2011, nicht so klappte wie ich mir das vorstellte, beschloss ich meine Saison in Frankfurt ausklingen zu lassen. Das Ziel für den ersten Städtemarathon meiner Karriere war nicht gerade bescheiden, mit 2:34:59 meiner Meinung nach aber allemal machbar.

Die Vorbereitung lief reibungslos, ohne Infekt und ohne Verletzung, und so reiste ich nervös wie ein Kind am ersten Schultag, aber guter Dinge nach Frankfurt. Im Vorhinein führte ich dutzende Gespräche über Tempo, Taktik, Ernährung und so weiter, von denen mich ein paar dazu veranlassten, meinen Plan zu ändern. Das neue Ziel lautete sub 2:40:00. Etwas feige dachte ich mir kurzzeitig, jetzt allerdings weiß ich , dass es goldrichtig war, nicht schneller anzulaufen. Zudem hatte ich mit Franz Exl dadurch einen Kompagnon, mit dem ich die Hälfte des Marathons Seite an Seite lief. 

Da ich mich, taktisch unklug, viel zu weit hinten positionierte, waren die ersten drei Kilometer eher ein Slalomlauf als entspanntes Laufen. Danach fand ich allerdings sofort den Rhythmus und konnte das Laufen durch die menschengesäumten Straßen genießen. Ich war verblüfft, wie leicht der Schnitt von 3‘47 min/km zu laufen war, teilweise fühlte es sich sogar wie Jogging an. Bis km 10 lief alles nach Plan, doch an der Verpflegungsstation kam es, wie es kommen musste. Nach einem klassischen Ernährungsfehler zwickte mir von km 10 bis ca. km 27 der Magen. Aus dem Zwicken wurde Gott sei Dank kein Krampf und ich versuchte mir Mut zuzusprechen, was zu dieser Zeit des Rennens auch noch einigermaßen leicht war. Bei km 22 oder 23 wurde es dann allerdings ziemlich mühsam, ich hatte mental ein paar schlechte Minuten und musste Franz gehen lassen. Zudem war mir klar, dass ich bald etwas Nahrung aufnehmen musste um das Ziel in einer passablen Zeit zu erreichen. Kurz darauf war das Zwicken verschwunden, weshalb ich bei Kilometer 30 ein weiteres Gel einschmiss, diesmal jedoch mit ordentlich Wasser. Zu meinem Erstaunen klappte das perfekt, die Hoffnung lebte wieder auf und ich konnte mich wieder auf mein Ziel konzentrieren. Sicher, die Beine schmerzten mittlerweile, aber ich war mental wieder voll da und die Zuschauermassen pushten mich ungemein. Das Kopfrechnen war schon lange nicht mehr möglich, aber tief in mir wusste ich, dass es reichen könnte. Viele Routiniers sagten mir im Vorfeld immer wieder, dass der Marathon bei km 35 beginnt, deshalb hatte ich bisschen Angst davor. Die Angst war unbegründet, obwohl die Schmerzen ziemlich groß waren, wusste ich doch, dass es nicht mehr weit ist. Mickrige sieben Kilometer.

Also mobilisierte ich nochmal alles was übrig war und versuchte die Schmerzen auszublenden. Ein Blick auf die Uhr bei km 40 verriet mir, dass mit zwei sehr starken Kilometern die 2:40 fallen könnte. Also Augen zu und durch. Nach 2:39:43 lief ich überglücklich und stolz über die Linie.

Dass es aus österreichischer Sicht ein erfolgreicher Tag werden sollte, war bereits eine halbe Stunde vor meinem Zieleinlauf klar, als Günther Weidlinger in 2:12:13 mit Jubelschrei finishte. Ziel Olympiaquali erreicht. Ein Ziel, das auch Christian Pflügl anpeilte, in 2:15:50 allerdings trotz persönlicher Bestzeit und starkem Rennen deutlich verpasste.

Auch Andrea Mayer war angereist um das Olympiaticket zu lösen und nutzte die nahezu perfekten Bedingungen. Bei Windstille und kühlem, trockenem Wetter blieb sie, mit 2:32:33 weit unter dem Limit des nationalen Verbandes.

Für die Glanzleistung in Frankfurt sorgte aber einmal mehr der Kenianer Wilson Kipsang, der nur vier mickrige Sekunden am Weltrekord seines Landsmannes Patrick Makau vorbeischrammte und damit den Zuschauern an der Strecke und an den Fernsehgeräten ein Wahnsinnsrennen servierte.

Ob Weltrekord oder nicht, Frankfurt ist auf jeden Fall eine Strecke, die zu Bestzeiten einlädt. Das werden wahrscheinlich auch tausende Teilnehmer der diesjährigen Auflage bezeugen. Für mich war die Reise ein voller Erfolg. Die Mühen der letzten drei Monate haben sich ausgezahlt, mein Ziel habe ich erreicht und die Winterpause kann kommen.

Machts gut und auf bald,

Benjamin Klingler

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