Beginnende Arthrose

Frage von Bernd H.: Ich habe folgendes Problem: Früher habe ich oft alle möglichen Sportarten ausprobiert. Ich habe viel Fußball gespielt, auch Handball und Volleyball. Dann habe ich ein paar Jahre gar nichts gemacht. Nachdem ich in den letzten Jahren viel Fahrrad gefahren bin, habe ich im letzten Jahr wieder mal mit joggen begonnen. Alles ohne Probleme. Im Winter habe ich ab und an den Ergometer im Keller genutzt, um nicht ganz einzurosten. Nun habe ich wieder mit regelmässigem Laufen begonnen (so ca. 3 mal wöchentlich jeweils eine halbe Stunde) und habe nach dem Laufen – meistens erst 1 Tag später – Schmerzen in beiden Knien. Es ist ein komisches Gefühl, als ob etwas entzündet ist. Und es dauert auch ein paar Tage an. Mit einer Salbe – Balsamka – ist es recht schnell besser. Nun habe ich einen Orthopäden aufgesucht, der mir sagte es währe beginnende Arthrose. Wäre auch normal in meinem Alter (43). Aber was ich jetzt so im Internet gelesen, lässt mich daran zweifeln. Ich habe mir schon etwas bessere Laufschuhe gekauft und laufe meist auf Feldwegen. Für Tips wäre ich sehr dankbar!

ANTWORT: Die Diagnose „ beginnende Arthrose der Kniegelenke ” ist keine sehr exakte Aussage, um Ihr Problem konkret und sicher beurteilen zu können. Prinzipiell ist bei jedem arthrotisch verändertem Gelenk dosierte und der individuellen Situation angepaßte Bewegung für das Gelenk wichtig, da die Ernährung des nicht durchbluteten Gelenksknorpels vor allem durch die Gelenksflüssigkeit erfolgt, welche bewegungsabhängig im Gelenk verteilt wird. Inwieweit Laufen günstig und sinnvoll ist, kann nur im Einzelfall entschieden werden, wozu zur Beurteilung natürlich auch Befunde wie Röntgen und andere wichtig wären. Fahren am Rad – Ergometer belastet die Kniegelenke sicher in einem geringeren Ausmaß, jedoch ist bei geringer Ausprägung der Arthrose in den meisten Fällen gesundheitsorientiertes Laufen möglich. Unter gesundheitsorientiertem Laufen verstehe ich in diesem Zusammenhang symptomorientiertes Laufen, d.h. Laufen nur soweit, als es beschwerdefrei möglich ist. Treten im zeitlichen Zusammenhang mit dem Laufen Beschwerden auf – Schmerzen oder Schwellung der Gelenke – so ist zunächst zu klären, inwieweit diese Beschwerden wirklich durch die Arthrose ( = Gelenksabnützung) verursacht sind. Es ist nämlich in vielen Fällen durch entsprechende Begleitmaßnahmen möglich, die auftretenden Beschwerden günstig zu beeinflussen. Durch langsames Gewöhnen der Kniegelenke an die Laufbelastung, durch eine langsame und vorsichtige Steigerung der Umfänge, durch eine Reduktion von möglicherweise vorhandenem Übergewicht sowie durch die Wahl geeigneter und passender Laufschuhe mit eventuell notwendiger Einlagenversorgung sollte die direkte Belastung des Laufens auf die Kniegelenke reduziert werden können. Zusätzlich muss bei Vorhandensein von muskulären Defiziten und Dysbalancen unbedingt die Belastbarkeit der Kniegelenke durch konsequente Heilgymnastik erhöht werden. In sehr vielen Fällen wird dadurch nicht nur schmerzfreies Laufen bis zu gewissen Grenzen möglich sein, sehr oft ist dadurch auch eine Verbesserung der arthrotischen Veränderungen in den Gelenken zu beobachten.

Dr. Andreas Dallamassl