AUSDAUERTRAINING UND PRÄVENTIVMEDIZIN

Die Präventivmedizin (= Vorsorgemedizin) nimmt in den letzten Jahren eine immer wichtigere Rolle in der ärztlichen Betreuung der gesunden und auch kranken Menschen ein. Man versteht darunter eine medizinische Beratung, welche zum Ziel hat, das Entstehen von Krankheiten (= Primärprävention) oder auch eine Verschlimmerung oder ein Wiederauftreten einer schon bestehenden Erkrankung (=Sekundärprävention) zu verhindern.

Krankmachender Lebensstil

Die überragendende Bedeutung der Präventivmedizin ist darin begründet, dass die meisten Krankheiten, an welchen die Menschen heutzutage leiden, lebensstilbedingt sind. Ein krankmachender Lebensstil ist durch Bewegungsmangel, hyperkalorisches Essverhalten (die Kalorienzufuhr ist natürlich immer in Relation zum Kalorienverbrauch zu setzen) und falschen Umgang mit sogenannten Genußmittel wie Alkohol und Nikotin charakterisiert. Durch Optimierung des individuellen Lebensstils ist es somit möglich, das Auftreten sogenannter „Zivilisationskrankheiten“ zu verhindern bzw. hinauszuzögern und sein Leben dadurch möglichst lange in ausgezeichneter Lebensqualität genießen zu können.

Medikamentöse Prävention?

Es gibt natürlich auch medikamentöse Strategien in der Vorsorgemedizin, welche von den Apothekern und der pharmazeutischen Industrie entsprechend beworben und aufbereitet werden, indem sehr subtil immer wieder das schlechte Gesundheitsgewissen der Menschen angesprochen wird. Nur haben diese medikamentösen Maßnahmen bei weitem nicht diesen präventivmedizinischen Effekt wie die Änderung des Bewegungsver-
haltens und des Ernährungsverhaltens, was durch medizinische Studien immer wieder bewiesen wird. Auch bewirkt das Einnehmen von Medikamenten oder sonstigen „Gesundheitspräparaten“ keine Steigerung der Lebensqualität außer einer eventuellen Beruhigung des schlechten Gewissens, was die eigene Gesundheit betrifft. Durch das mögliche Auftreten von Nebenwirkungen und Organschäden kommt es vielmehr zu einer Verschlechterung des individuellen Wohlbefindens, was bei präventivmedizinischen Maßnahmen wohl nicht zielführend sein kann. Auch die diesbezügliche finanzielle Dimension soll hier angesprochen werden, da in Zeiten einer zunehmenden Unfinanzierbarkeit des Gesundheitssystems sparsam und sinnvoll mit den vorhandenen Mitteln umgegangen werden sollte. Weil auch die Krankenkassen die Wirkungslosigkeit der meisten dieser Präparate erkannt haben und die Kosten dafür nicht übernehmen, müssen die Konsumenten die Kosten hiefür privat übernehmen, was sich einer unverschämten Überteuerung dieser Präparate auswirkt. Dieser dadurch entstandene milliardenschwere Markt mag für die wirtschaftliche Entwicklung der entsprechenden Konzerne positive Auswirkungen haben, nur für die Volksgesundheit bringt er so gut wie nichts.

Körperliche Inaktivität unserer Kinder

Die billigste und vor allem effektivste Maßnahme zur Steigerung der Volksgesundheit und der Gesundheit des einzelnen ist eindeutig die Lebensstiloptimierung, wobei der körperlichen Aktivität eine überragende Bedeutung zukommt. Schon in der Kindheit wird heute der Grundstein für viele Erkrankungen gelegt, indem die körperliche Aktivität unserer Kinder im Tagesablauf immer mehr eingeschränkt wird. Der Schulbus bringt die Kinder von der Wohnungstür bis fast in die Schulklasse, die tägliche Turnstunde ist immer noch gesundheitspolitischer Wunschtraum, in der Freizeit dominieren der Computer und andere die Kinder zur Bewegungslosigkeit verdammende Beschäftigungen. Die Folgen dieser Entwicklung ist ein besorgniserregender Anstieg der Anzahl an übergewichtigen Kindern mit den sich daraus ergebenden Problemen wie erhöhter Blutdruck, Stoffwechselstörungen bis zur Zuckerkrankheit, Problemen im Bereich des Bewegungsapparates, Allergien, usw…., alles Krankheiten, welche früher im Kindesalter nahezu unbekannt waren. Durch frühzeitiges sinnvolles Unterstützen unserer Kinder in ihrem natürlichen Bewegungsdrang könnte nun diese unheilvolle Entwicklung gebremst werden und unseren Kindern damit viel Leid in ihrer Zukunft erspart werden.

Richtiges Essverhalten durch körperliche Aktivität

Durch vernünftige regelmäßige körperliche Aktivität wird das Essverhalten jedes einzelnen positiv beeinflußt. Ein gut ausdauertrainierter Mensch spürt sehr gut, welche Nahrungsmittel dem Körper gut tun und welche Nahrungsmittel den Körper belasten und vermieden werden sollten. Schon im Kindesalter sollte auf dieses Phänomen besonders geachtet werden, da die Nahrungsmittelindustrie in unseren Kinden relativ leicht zu manipulierende Opfer findet. Es ist immer wieder faszinierend zu beobachten, wie sportlich aktive Kinder den bunten und lauten Verlockungen eher widerstehen und mehr zu den hochwertigen Lebensmitteln greifen, als die armen nicht so aktiven Kinder, welche mit minderwertigen, fetten und hyperkalorischen Nahrungsmitteln nur so vollgestopft werden. Und genau diese Fähigkeit unseres Körpers, nämlich durch Steigerung der körperlichen Aktivität belastende und schädliche Einflüsse auf unseren Körper zu erkennen, ist Grundvoraussetzung für eine zielführende Lebensstiländerung. Die übergewichtigen Diabetiker sind besorgt, wenn sie nach einer üppigen Abendmahlzeit mit Speck, fettem Käse, Alkohol und anderen „köstlichen“ Errungenschaften unserer Zeit nicht schlafen können und unter Sodbrennen oder anderen Beschwerden leiden. Sie fordern regelmäßig von ihren Ärzten Medikamente, welche diese „Krankheit“ möglichst schnell heilen sollen. Ein ausdauertrainierter Mensch, der die Fähigkeit besitzt, die Signale seines Körpers besser zu verstehen, wird diese Hinweise seines Körpers eher erkennen und entsprechend darauf richtig reagieren, nicht aber versuchen, diese Warnsymptome mit Medikamenten zu unterdrücken.

Körperliche Aktivität = der Schlüssel zu Gesundheit und Wohlbefinden

Es ist auch unter den Ärzten heute unbestritten, dass jede Zelle und jedes Organsystem im menschlichen Körper durch regelmäßige körperliche Aktivität in Form eines vernünftigen Ausdauertrainings positiv beeinflußt werden. Es gibt keine andere singuläre Maßnahme, insbesondere kein Medikament, welche an so vielen physiologischen und pathophysiologischen Angriffspunkten im menschlichen Organismus ansetzt und somit zu einer Optimierung und Normalisierung der verschiedensten Körperfunktionen führt. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit möchte ich hier die herausragendensten Effekte des körperlichen Trainings auf den menschlichen Körper anführen:

  • Gewichtsreduktion und positive Beeinflussung des Ernährungsverhaltens
  • Blutdrucksenkung und somit Verhinderung der Folgen von erhöhtem Blutdruck wie Schlaganfall, koronare Herzkrankheit,…
  • Steigerung der Durchblutung im gesamten Organismus mit der sich daraus ergebenden Erhöhung der Zufuhr von Sauerstoff und Nährstoffen zu den Zellen
  • positive Wirkungen auf Stoffwechselkrankheiten wie erhöhte Bluttfette, Zuckerkrankheit und Gicht
  • stimulierende Wirkungen auf unser Immunsystem und somit positive Beeinflussung von Krankheiten, welche durch ein funktionsgestörtes Immunsystem mitverursacht werden (Allergien, Infektanfälligkeit, Krebs, ..)
  • Kräftigung und Stärkung des Bewegungsapparates
  • positive Beeinflussung von zentralnervösen und psychischen Erkrankungen wie Depressionen, Schlafstörungen, Sucht-erkrankungen, Burn-out-Syndrom….

Gäbe es ein Medikament mit all diesen positiven Wirkungen, der Erfinder hätte sich schon längst eine goldene Nase verdient. So bleibt es aber jeden selbst überlassen, durch lebenslange regelmäßige körperliche Aktivität in vernünftiger Intensität für das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit zu sorgen.
Dies hat schon K.H.Cooper erkannt, welchem folgendes Zitat zugeschrieben wird:

„Wer keine Zeit für Bewegung findet, wird sicher Zeit für Krankheiten reservieren müssen“.

Dr.Andreas Dallamassl