DURCHFALL UND LAUFEN

Umfragen unter Ausdauersportlern zeigen, dass 30 – 50 % aller Athleten gelegentlich unter belastungsinduzierter Diarrhoe (= durch Belastung ausgelöste Durchfälle) leiden, wobei eine deutliche Korrelation zu Intensität und Umfang der körperlichen Belastung festzustellen ist.

EIN HÄUFIGES PROBLEM
Besonders Langstreckenläufer klagen immer wieder über dieses Problem, wodurch sowohl Trainings- als auch Wettkampfleistungen beeinträchtigt werden können. Hauptsymptome belastungsinduzierter Diarrhoen sind Bauchkrämpfe, Stuhldrang, weiche bis wässrige Stuhlgänge sowie unbemerkte oder auch sichtbare Blutabgänge. Nach Marathonläufen kann bei etwa 30 % der Läufer Blut im Stuhl nachgewiesen werden, nach Ultraläufen steigt die Anzahl positiver Tests auf bis zu 80 %. Eine nicht zu unterschätzende Anzahl von Anämien bei LäuferInnen sind eben auf diese okkulten Blutverluste über den Darm zurückzuführen.

VIELFÄLTIGE URSACHEN
Die verschiedensten Ursachen werden für das Auftreten dieser belastungsinduzierten Diarrhoen und Blutungen diskutiert, wobei auch eine Kombination dieser Auslöser in Betracht zu ziehen ist. Eine wesentliche Ursache ist eine verminderte Durchblutung der Darmschleimhaut durch Umverteilung des Blutes in die Arbeitsmuskulatur. Durch diese lokalen Durchblutungsstörungen kommt es zu Zellnekrosen (= Zellzerstörungen ) und zum Entstehen von Geschwüren in der Darmschleimhaut mit Flüssigkeits- und Blutverlusten über diese Schleimhautdefekte. Endoskopische Untersuchungen nach langen Laufbelastungen haben wiederholt solche Schleimhautveränderungen als Auslöser für die entsprechenden Beschwerden nachgewiesen. Eine andere Ursache dürfte ein durch Belastung ausgelöstes Missverhältnis zwischen Flüssigkeitsaufnahme und Flüssigkeitssekretion sein, wodurch in der Relation weniger Flüssigkeit aufgenommen und mehr über den Darm ausgeschieden wird und dadurch eine weichere Stuhlkonsistenz entsteht. Weiters finden sich nach Ausdauerbelastungen höhere Blutspiegel sogenannter gastrointestinaler Hormone und Peptide – Substanzen, welche im Magen- Darm- Trakt produziert werden und teils starke sekretorische Wirkungen im Darm entfalten und dadurch viel Flüssigkeit in den Darm absondern. Auch dürften die gerade für das Laufen typischen Vertikalbeschleunigungen Auslöser für erhöhte Darmperistaltik mit der dadurch verkürzten Darmpassagezeit sein und somit auch stuhlaufweichend wirken.

DIAGNOSE
Obwohl die Anamnese oft richtungsweisend betreffend die Diagnose ist, müssen natürlich altersabhängig auch andere Erkrankungen ausgeschlossen werden. Bei Sportlern bis zu einem Alter von etwas 40 Jahren sind besonders entzündliche und infektiöse Durchfallsursachen differentialdiagnostisch in Erwägung zu ziehen und durch entsprechende Untersuchungen auszuschließen. Bei älteren Läufern muss auch an gutartige und bösartige Tumorerkrankungen gedacht werden. Auch wenn der zeitliche Zusammenhang von Durchfall und körperlicher Aktivität typisch ist, kann die Diagnose einer belastungsinduzierten Diarrhoe letztendlich immer nur eine Ausschlussdiagnose sein, d.h. es müssen zur absoluten Sicherung der Diagnose alle anderen Ursachen ausgeschlossen werden. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören hier jedenfalls eine gründliche klinische Untersuchung, Blutuntersuchung, Stuhluntersuchung auf Blut und Keime, eine Ultraschalluntersuchung des Bauchs und in vielen Fällen auch eine Magen- und Darmspiegelung. Ohne diese diagnostischen Schritte bleibt letztendlich immer eine Restunsicherheit bezüglich einer nicht belastungsabhängigen Magen- Darm- Erkrankung übrig.

THERAPIE
Gerade eine an sich empfehlenswerte ballaststoffreiche Ernährung (frisches Obst und Gemüse, Vollkornprodukte,…) kann in Verbindung mit körperlicher Aktivität die Magen-Darm Tätigkeit stark anregen. Eine Reduktion der Ballaststoffzufuhr sowie eine Vergrößerung der Zeitspanne zwischen Mahlzeiten und Trainingsbeginn bringt diesbezüglich häufig eine Besserung der Situation.1 ½ -2 Stunden vor Beginn des Lauftrainings sollte somit nichts mehr gegessen werden, um die ersten Verdauungsschritte im Magenbereich nicht zu behindern. Mehrere Untersuchungen zeigten in der Vergangenheit, dass durch starken Schweißverlust oder zu geringe Flüssigkeitszufuhr schlecht hydrierte Läufer viel häufiger an Magen-Darm Problemen leiden als ausreichend mit Flüssigkeit versorgte Läufer. Die Ursache dafür ist nicht ganz klar, doch dürften auch hier hormonelle Ursachen und Umverteilungsvorgänge zu Lasten der Darmdurchblutung eine Rolle spielen. Hilfreich wäre es in diesem Fall bei längeren Läufen regelmäßig Flüssigkeit aufzunehmen, wobei die Menge natürlich von der Laufintensität und der Außentemperatur abhängig ist. Verdünnte Fruchtsäfte oder leicht hypotone Elektrolytgetränke ( 1:1 – 1:2 verdünnt ) eignen sich am besten, den beim Training entstehenden Flüssigkeitsbedarf auszugleichen ; zu stark konzentrierte Elektrolytgetränke und kohlensäurehaltige Getränke regen die Darmtätigkeit eher an und sollten somit vermieden werden. Sehr viele Menschen reagieren auf gewisse Nahrungsbestandteile ( Milchzucker, Milcheiweiß, Nüsse, Zitrusfrüchte , ……) empfindlich im Sinne einer Allergie oder einer pseudoallergischen Reaktion. Bei milden Verlaufsformen kann diese Empfindlichkeit dann eben erst bei körperlicher Belastung manifest werden und zu entsprechenden Symptomen führen. Hier gibt es auch die verschiedensten diagnostischen Möglichkeiten, welche den entsprechenden Nachweis bringen können. In diesem Fall muss dann natürlich durch Vermeiden dieser ursächlichen Agenzien eine Verbesserung der Situation versucht werden. Auch regelmäßige oder zu hohe Magnesiumzufuhr, welche bei Ausdauersportlern sehr beliebt ist, kann oft als Durchfallsursache beobachtet werden und muss gegebenenfalls hinterfragt werden.

TRAININGSREDUKTION ?
Bei Auftreten der Beschwerden sollten immer auch Trainingsumfänge und Trainingsintensitäten einer Überprüfung unterzogen werden. Sehr oft reagiert nämlich der mit dem vegetativen Nervensystem eng verknüpfte Magen- Darm Trakt auf beginnende Übertrainingszustände oder Überlastungen mit Durchfall und Bauchschmerzen. Eine kurzfristige Reduktion des Trainings oder auch ein gelegentliches Ausweichen auf alternative Sportarten bringt sehr oft eine Verbesserung und auch eine Lösung des Problems. In sehr hartnäckigen Fällen kann auch eine medikamentöse Therapie notwendig werden, wobei besonders hier aber im Vorfeld eine gründliche Durchuntersuchung wie oben angeführt zu erfolgen hat. Als Medikamente bieten sich das Loperamid ( Imodium® ) an, welches eine motilitätshemmende und sekretionshemmende Wirkung im Darm entfaltet. Bei Schmerzen oder Bauchkrämpfen gibt es eine Reihe von gut wirksamen krampflösenden Präparaten ( z.B. das altbekannte Buscopan® ), welche krampfbedingte Beschwerden gut beeinflussen .Letztendlich soll eine medikamentöse Therapie aber immer nur vorübergehend angewendet werden und eine Behebung des Problems auf andere Art und Weise angestrebt werden, zumal alle wirksamen Medikamente auf Dauer eingenommen möglicherweise andere, eventuell auch leistungshemmende Wirkungen auf die Arbeitsmuskulatur bedingen können.

In den meisten Fällen der belastungsinduzierten Diarrhoe wird durch Veränderungen oder leichte Anpassungen der Ernährungsgewohnheiten eine Verbesserung der Problematik zu erreichen sein. In Fällen, wo möglicherweise ein Überlastungsproblem dahinter steckt, sollte an eine Anpassung und Optimierung des Trainings gedacht werden. Eine medikamentöse Therapie sollte nur vorübergehend und nur in besonderen Situationen ( beispielsweise vor Wettkämpfen ) in Erwägung gezogen werden. Bei Andauern der Beschwerden und beim geringsten Zweifel, dass die Beschwerden belastungsabhängig sind, sollte auch eine gründliche Durchuntersuchung des Magen- Darm- Traktes angestrebt werden, um die rechtzeitige und suffiziente Behandlung von möglichen anderen Erkrankungen nicht zu versäumen.

ZUSAMMENFASSUNG:
Vermeiden von belastungsinduzierter Diarrhoe durch

  • Keine Nahrungsaufnahme in den letzten beiden Stunden vor dem Lauf
  • Ballaststoffreduktion in der Nahrung vor schnellen Läufen und Wettkämpfen
  • Individualisierung der Ernährung – Achten auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten
  • Reduktion der Aufnahme von Kohlensäure
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr vor und beim Laufen
  • Vermeiden von Übertrainingszuständen

Dr. Andreas Dallamassl